© 2012 Stefan Lederer Hamburg Ballett - John Neumeier (1)

Fotoprobe beim Ballett John Neumeier in Hamburg

Wie im letzten Jahr hat das Schauspielhaus zum Ballett John Neumeier in Hamburg eingeladen. Der große Saal besticht durch seine pompöse Dekorierung, man fühlt sich ein wenig wie in einer Filmrequisite eines historischen Dramas.

Die verschiedenen Szenen waren tänzerisch großartig, fotografisch gesehen weniger reizvoll. Ganz anders als die Vorstellung im letzten Jahr, die ein kurzweiliges visuelles Feuerwerk war.

Um kulturell auf dem Laufenden zu bleiben, folge ich ab und an und mittlerweile immer weniger den Einladungen verschiedener Theaterstücke, Inszenierungen und sonstigen Interpretationen von Klassikern am Theater oder Schauspielhaus. Ich bin mir aber nicht mehr ganz klar über Sinn und Unsinn meiner ursprünglichen Intention. Regelmäßig komme ich aus einer Vorstellung und kann nur noch den Kopf schütteln.

Neulich wohnte ich einer modernen Inszenierung im Kampnagel bei, wo geschlagene 90 Minuten lang eine Horde Primaten gröhlend und schreiend durch das karg inszenierte Bühnenbild gesprungen ist. Der Sinn hat sich mir und den anderen nicht erschlossen. Ich war fassungslos. Weniger über das Erlebte, sondern über die Tatsache, dass der geneigte Kulturgänger den Raum des Geschehens mit einem Gefühl von Unverständnis verlassen wird und dafür noch eine Stange Geld losgeworden ist.

Entweder bin ich zu doof um die Interpretation mancher Inszenierungen zu verstehen oder Funk und Fernsehen haben mich stumpf gemacht.

Das Drama spielt sich wie so oft hinter den Kulissen ab. Gut, das Schauspielhaus hat in den letzten Jahren eine Etat Kürzung von rund 1,2 Mio. Euro erfahren. Das sind mehr als 50 Prozent weniger Gehalt für die Künstler. Das steht für sich und wird in den Medien mal mehr und mal weniger breit diskutiert. Klar ist auch, dass zwangsläufig Geld bei vielen heimischen Produktionen fehlt.

Aber wieso gibt es denn kaum Stücke für den unbedarften einmal im halben Jahr ins Theater gehenden Kulturinteressierten? Schade für den Theater Abbonenten, der diese Suppe auslöffeln darf. Ich für meinen Teil hab die Faxen dicke und werde bis auf weiteres den hiesigen Kulturbetrieb meiden, wie so viele andere auch. Außer wenn mal wieder ein Poetry oder Singer und Songwriter Slam im Schauspielhaus stattfindet. Da platzt die Hütte aus allen Nähten. Muss ich mir Sorgen machen?